Das traumatisierte Kind

Trauma bedeutet „Wunde

Es gibt nicht nur körperliche Verwundungen, sondern auch seelische Verwundungen.

Es ist einleuchtend, dass unzählige Menschen, ja beinahe jeder Mensch, unter einer oder mehreren solchen „Wunde/n“ leiden.

Oft

  • „blutet die Wunde noch“,
  • „will sich nicht verschließen“
  • „schmerzt“

Betroffene leiden häufig unvorstellbare Qualen, die sich immer wiederholen. Im Fachjargon nennt man das Flashbacks.

Wann wird ein Ereignis zum Trauma?

No fight: keine Möglichkeit des Kampfes

No flight: keine Möglichkeit zur Flucht

Dies bedeutet, dass der Betroffene keine Möglichkeit hat, Kontrolle über eine solche Situation zu übernehmen und Dinge in Fremdeinwirkung mit ihm geschehen, auf die er keinen Einfluss mehr hat.

Es wird zwischen Traumata unterschieden, die z. B. durch Naturgewalten ausgelöst werden (z.B. Tsunami oder Erdbeben) oder diejenigen, die durch Menschen – am Schlimmsten durch geliebte Menschen – entstehen, wie z. B. Misshandlungen oder Missbrauch durch Eltern und Verwandte.

Die Heftigkeit eines Trauma wird individuell empfunden. Es gibt Menschen, die durch schlimme Lebenssituationen gehen, ohne an den Spätfolgen ihrer Traumata zu erkranken. Andere wiederum scheinen geradezu an den schlimmen Erlebnissen zu zerbrechen.

Resilienz

Resilienz nennt man die wunderbare Fähigkeit, die jeder Mensch in sich trägt, welche die „Heilung“ eines Trauma ermöglichen kann.

Sensible Kinder (zartbesaitete Kinder)  haben schneller ein Trauma als andere, die robuster im Leben stehen.

Ich habe im Laufe der Zeit sehr viele Kinder kennen gelernt, die bereits ein Trauma hatten,

  • weil sie in der Schule ausgelacht wurden,
  • vor der Klasse bloß gestellt wurden,
  • von einer Gruppe gleichaltriger Kinder ausgegrenzt wurden.

Menschen machen sich oft gar keine Vorstellung davon, wie schnell ein Kind ein Trauma bekommen kann und wie sehr es dann darunter leidet.

Einige Symptome für ein Trauma:

  • Schlafstörungen
  • Bettnässen
  • Traurigkeit, Desinteresse
  • Konzentrationsstörungen
  • Nervosität
  • Belastende, wiederkehrende Situationen
  • Ausraster

Ich wurde Traumapädagogin, weil beinahe alle „auffälligen“ Kinder ein Trauma haben. Dies ist meine Erfahrung aus den letzten 30 Jahren.

Wenn ein Kind „verletzt“ wurde, kann es später – wenn es bereit ist – dieses Innere Kind  (sich selber von damals) heilen.

Ausnahmslos jeder Mensch trägt diese besonderen (Resilienz) Kräfte in sich, dieses INNERE KIND

  • zu trösten
  • zu hüten
  • ihm beizustehen
  • es zu heilen

Niemand soll verzweifeln, wenn dies nicht gleich möglich ist. Je weiter ein Trauma zurückliegt, umso schwieriger ist es oft, weil sich das Trauma mitsamt allen Gefühlen und Taten, u.a. durch die vielen Flashbacks im Gehirn manifestiert hat.

Was sich dort aber durch die Wiederholungen festgesetzt hat, kann durch positive Lebensmuster auch wieder verändert werden. Unser Gehirn verfügt über eine enorme Plastizität.

Ich möchte allen Betroffenen mein tiefes Mitgefühl schenken und alle ermutigen, an die Heilung zu glauben. Denn diese ist möglich.