Ich habe schon zu viel Kinderleid gesehen, was in meinen Augen eigentlich nicht sein müsste, weil jedes Kind einzigartig und wunderbar ist. Nur unsere Gesellschaft schafft immer neue Maßstäbe, wie Kinder zu sein haben, damit sie der Norm entsprechen.

In einem bestimmten Lebensalter sollen Kinder dieses oder jenes können; wenn sie diese oder jene Dinge bis dann und dann nicht können, sind sie auch „nicht richtig“. Dann brauchen sie Unterstützung, Therapie usw.. Zu viel Bewegungsdrang ist nicht o.k. und zu still sollen sie auch nicht sein, weil verträumte Kinder auch unerwünscht sind. Übersprudelnde Phantasie könnte eine psychische Störung darstellen, aber zu still geht auch nicht, denn Introvertiertheit könnte ebenfalls auf ein Defizit hindeuten usw.

Ich persönlich glaube nicht, dass 60 Prozent aller Kinder psychische Störungen haben! Ich glaube, dass unsere Kinder fast alle ziemlich gesund auf die Welt kommen, aber dann nach und nach durch Umwelteinflüsse, zu enge Normen und einseitige Begabungsförderung schließlich noch nicht einmal zu dem werden können, was sich die Gesellschaft wünscht.

Was wäre, wenn wir allen Schneeflocken ein gleiches Aussehen verleihen wollten? Alle sollten in einer ganz ähnlichen Struktur erscheinen und bitte kaum Abweichungen aufzeigen? Mit unserem Obst gehen wir bereits so um. Liegen die Äpfel unter einem bestimmten Durchmesser, können sie nicht verkauft werden. Deshalb kaufe ich diese kleinen, süßen Äpfel dann ganz billig auf dem Markt ein. Es gäbe unzählige Beispiele.

Die „Gesellschaft“ tendiert dahin, möglichst alles passend, zumindest ähnlich und möglichst gleich zu haben. Deshalb wird auch allen Kindern einer Klasse zur selben Zeit dasselbe beigebracht. Sogar allen auf die gleiche Weise.

Menschen sind aber vielfältige, vielschichtige, individuelle Wesen. Jedes Kind ist einzigartig. Wie sollte es EINE Methode geben, Lesen und Schreiben zu lernen und dazu noch zeitgleich mit anderen 24 Kindern?

Ein HSP- Kind lernt z.B. oft anders als eines, welches seine „Hochbegabung“ im Handwerklichen hat. Ist die Hauptbegabung in den Händen, möchte das Kind gerne alles durch Anfassen lernen. Es möchte Buchstaben kneten, backen usw.., während ein HSP-Kind vielleicht die Buchstaben erlauscht, ihren Klang und die Form erspürt … ein musikalisches Kind würde die verschiedenen Laute vielleicht singen usw.. Denkt man dieses Konstrukt noch weiter, müsste jedes Kind seine ganz eigene Methode zu lernen haben …

Mir ist klar, dass dies eine gewagte These ist, spreche ich doch von einem Land mit den besten Bildungschancen überhaupt. Unzählige Menschen strömen nach Deutschland, unter anderem auch wegen der Bildung, die man hierzulande erhalten kann.

In den staatlichen Schulen zeigt sich mir aber ein Bild, welches in grauen Farben eine einseitige und genormte Bildungslandschaft  darstellt. Kunst, Handwerk, Musik, Religion, Bewegung – kurz: alle Fächer die nicht kognitiv sind – kommen einfach zu kurz.

Mein Herzensanliegen ist, so viele Kinder und Eltern wie nur irgend möglich zu erreichen, um ihnen zu erklären und zu vermitteln: Jedes Kind ist einzigartig und hochbegabt. Auf seine Weise. Auch dann, wenn das Kind seine Begabungen nicht im Schulalltag zeigen kann, weil sie in einem anderen Bereich verborgen liegen.

Ich weiß, von was ich spreche, da ich selber eine Mutter von Kindern bin, die allesamt nicht der Norm entsprochen haben und deren Talente in der Schule nicht zum Vorschein kommen konnten.  Jedenfalls spielten diese im Abschlusszeugnis keine Rolle, weil Empathie, Handwerkliches Geschick und Begabungspotenzial im sportlichen Bereich keinerlei Beachtung finden.

Mein Anliegen wurde im Laufe der Jahre immer lauter, Kinder viel tiefer zu verstehen, als dies in der Schule möglich wäre, weil allein der Lehrplan und die Unterbesetzung des Lehrpersonals dies gar nicht zuließen. Nicht, weil dort etwa unfähige oder schlechte Menschen arbeiten, sondern weil ein Lehrer von 24 oder mehr Schülern in einem so engen Rahmen von vorgegebenen Unterrichtsinhalten gar nicht erst die Möglichkeit hat, sich groß individuell den Begabungen eines Kindes zuzuwenden, es sei denn, er befasst sich außerhalb des Lehrplans und dem Deputat mit den Kindern.

Wie aber sollte ich die Begabungen und die Individualität von Kindern tiefer verstehen lernen, wenn ich mit ihnen arbeiten wollte?

Dafür habe ich einige Methoden gefunden, die ich u.a. in meinem Kurs „LRS und Legasthenie – von der Schwäche zur Stärke“ ausführlich erkläre.

Es geht dabei um einen geschriebenen Kurs, der all meine Erfahrungen als Heilpädagogin, Mutter und auch als Autorin einschließt.

In Zukunft werde ich noch mehr Kurse entwickeln und über mehr Themen schreiben, um auch Menschen, Familien, Kinder zu erreichen mit anderen Fragestellungen.

Ich sehe es als meine Aufgabe, unbedingt allen Menschen, die offen dafür sind, die frohe Botschaft zu erklären und zu verbreiten:

  • Alle Kinder sind hochbegabt
  • Wir brauchen die Vielfalt für unsere Evolution
  • Jedes Kind ist einzigartig
  • Wir können und dürfen auf keine einzige Begabung eines Menschen verzichten.
  • Liebevolle Bildung bedeutet Vielfältigkeit und Individualität

An dieser Stelle möchte ich Dir herzlich für Dein Interesse danken!

Friedgard Mattlin